Prozessorientierte Didaktik

 

Die Theorie der Prozessorientierten Didaktik legt den Schwerpunkt der Beobachtung auf den Kommunikationsprozess des Lehrens und Lernens über ein bestimmtes Thema, z.B. Geschichte.

Lehre’ bzw. ‘Unterricht’ wird damit als eine spezielle Form der Kommunikation bzw. als eine eigenständige – und eigensinnige - soziale Struktur verstanden, die auch wie eine solche zu steuern ist. Im Sinne der Theorie sozialer Systeme kann somit der Unterricht als ein selbstreferentielles System betrachtet werden: Wenn beispielsweise der/die GeschichtslehrerIn zusammen mit einer Gruppe von SchülerInnen eine Unterrichtsstunde für Geschichte durchführt, steuert er/sie ein spezielles soziales System, das wir gewöhnt sind, als "Geschichtsunterricht" zu bezeichnen.

eine konkrete Klasse mit einer konkreten Leherin

Versteht man "Geschichtsunterricht" als selbstreferentielles System, dann kann man a) genaugenommen nur über konkrete Systeme sprechen, also einer konkreten Schulklasse mit einer/m konkreten GeschichtslehrerIn, und muss b) mitdenken, dass die Entstehung dieses Systems spätestens in dem Augenblick beginnt, wo der/die LehrerIn das erstemal mit der Klasse in Kontakt kommt bzw. wo er beginnt, mit der Klasse Geschichte zu unterrichten. In diesem Augenblick beginnt, im wahrsten Sinne des Wortes, eine neue Geschichte.

Diese theoretischen Grundannahmen können für die Planungsarbeit genutzt werden: Geht man davon aus, dass jedes selbstreferenzielle System in der Form des Selbstkontaktes auf Identitäts- und Handlungsgewinn ausgerichtet ist, dann sollte auch Unterricht in der Form aufgebaut werden, dass er die TeilnehmerInnen als eingenständige und eigenverantwortliche Akteure am Lernprozess beteiligt. Dazu bedarf es u.a. einer ausführlichen Adressatenanalyse sowie regelmäßiger Rückkopplungsschleifen, welche den Wissensstand der Zielgruppe feststellen, die Regeln der Kommunikation transparent machen bzw. die Verarbeitungs- und Verstehensprozesse des Lernsystems kommunizierbar machen.


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