Didaktischer Mehrwert im Einsatz in der LehrerInnenbildung

  • Die Videografie von Unterricht ermöglicht die multiperspektivische Rekonstruktion von Unterricht, Reflexionsprozesse zu initiieren und zu nutzen, das Verständnis und die Erweiterung eigener Handlungs- und Denkmuster durch die Wahrnehmung eigenen oder fremden Unterrichts zu fördern.
  • Zentral ist dabei die Etablierung einer konstruktiven Kultur des gemeinsamen Analysierens und Reflektierens von Videos im Sinne einer Überwindung der wertenden Beurteilung hin zu einer Kultur der multiperspektivisch deskriptiv-analytischen Betrachtung von Lehr- und Lernprozessen.
  • Das Nachdenken über Unterricht wird durch die Videografie als medientechnisches Artefakt dadurch erleichtert, dass das Video als externes Gedächtnis fungiert und eine beliebig häufige Präsentation des unterrichtliche Geschehens – genauer:  des videografierten unterrichtlichen Geschehens  - ermöglicht.
  • Das Geschehen im Klassenzimmer ist sehr komplex. Neben der inhaltlichen Arbeit werden gleichzeitig verbale und nonverbale Signale ausgesendet und von den Akteuren oft sehr unterschiedlich interpretiert. Videos stellen eine zeitliche und räumliche Distanz zum unmittelbaren Geschehen her, geben die Gelegenheit, ohne Handlungsdruck das Geschehen immer wieder zu betrachten und in der Analysearbeit unterschiedliche Sichtweisen und Interpretationen mit einzubeziehen.
  • Das Betrachten der Unterrichtsvideos erlaubt Hypothesen über das Lernverhalten der SchülerInnen und regt zur Reflexion des eigenen Handelns an. Unterrichtsvideos bieten eine wertvolle Diskussionsgrundlage für den Austausch über Kriterien „guten“ Unterrichts, die auf diese Weise der Reflexion zugänglich gemacht werden. Die individuellen Kriterien können wiederum mit theoretischen Erkenntnissen über Lehr- und Lernprozesse verglichen und erweitert bzw. differenziert werden.
  • Der für die Veränderung des Handelns von Lehrpersonen unabdingbare erste Schritt zu einer vermehrt reflexiven Praxis ist das Bewusstmachen der eigenen subjektiven Theorien über das Lehren und Lernen, um diese auch bearbeitbar machen zu können. Die Reflexion und Diskussion über Unterricht anhand von Videos ermöglicht die Explizierung dieser handlungsleitenden subjektiven Theorien  und die Verknüpfung von theoretischem Wissen und unterrichtspraktischem Handeln.
  • Unterrichtsvideos vermitteln einen distanzierten Blick nicht nur auf „fremden“, sondern gegebenenfalls auch auf den eigenen Unterricht. In diesem Falle stellen sie für die gefilmte Lehrperson eine Außenperspektive dar, welche eine distanzschaffende Objektivierung subjektivens Erlebens erlaubt und die Reflexion des eigenen Handelns in Bezug auf Qualitätsstandards unterstützt. Dies schafft Anlässe, den eigenen Unterricht zu hinterfragen und gegebenenfalls zu verändern.

vgl. Krammer/Reusser und Herzig/Grafe/Reinhold


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