Orientierung zur historisch-politischen Bildung

Alois Ecker, Klaus Edel, Hanna-Maria Suschnig

 

Gewiss, wir brauchen die Historie, aber wir brauchen sie anders, als sie der verwöhnte Müssiggänger im Garten des Wissens braucht, mag derselbe auch vornehm auf unsere derben und anmuthlosen Bedürfnisse und Nöthe herabsehen. Das heisst, wir brauchen sie zum Leben und zur That, nicht zur bequemen Abkehr vom Leben und von der That oder gar zur Beschönigung des selbstsüchtigen Lebens und der feigen und schlechten That. Nur soweit die Historie dem Leben dient, wollen wir ihr dienen. Nietzsche 1874, 245f

Staatsbürgerkunde © Stephan Bratek/geralt, www.pixelio.de
Menschenrechte © Gerd Altmann, www.pixelio.de

 

Von der nationalgeschichtlichen Erzählung zum historisch-politischen Unterricht

Die vorliegenden Themendossiers sind als Materialien für den historisch-politischen Unterricht konzipiert. Da der historisch-politische Unterricht als didaktisches Konzept in Österreich noch wenig diskutiert wurde, seien nachfolgend einige Bemerkungen zu seiner konzeptionellen Ausrichtung und seiner Verankerung in der Didaktik der Geschichte und der Politischen Bildung vorangestellt. Im Gegensatz zu einer größeren Zahl von europäischen Ländern (beispielsweise BG, CZ, E, F, PL, RO, UK/E) (Vgl. Ecker 2003), in denen der Geschichtsunterricht noch – oder wieder – am historistischen Modell ausgerichtet ist (mit der klassischen Trias Politikgeschichte – Nationalgeschichte – Chronologie), wurde der Geschichtsunterricht für die Sekundarschulen in Österreich schon seit den 1960er Jahren durch die gleichwertige Aufnahme der Sozialkunde (zumindest laut Lehrplan) zu einem historisch-sozialwissenschaftlich orientierten Unterricht.

 

Verstärkung fand die sozialwissenschaftliche Orientierung des Geschichtsunterrichts durch den Grundsatzerlass Politische Bildung an den Schulen (1978). Dieser Grundsatzelass propagierte im Gegensatz zur bis dahin gebräuchlichen affirmativen Staatsbürgerkunde die Aufnahme kritischer sozial- und politikwissenschaftlicher Zugänge in die schulische Erziehung. Die österreichischen Staatsbürger/innen sollten von da an zu selbstbewussten, kritischen, mündigen und toleranten Bürger/innen herangebildet werden. Die zukünftigen Bürger/innen sollten befähigt sein, ihre Interessen auch im politischen System wahrzunehmen und in einem demokratischen, rechtsstaatlichen System als aktiv handelnde Mitglieder zu agieren. (Grossmann/Wimmer 1979/1980) Während in Deutschland trotz des Beutelsbacher Konsenses von 1976 (Sander 2007, 18 bzw. 128) und in der Schweiz in den 1980er und 1990er Jahren weiterhin die politische Institutionenkunde dominierte, hatte die österreichische Schule bereits ein modernes sozialwissenschaftliches Konzept von politischer Bildung. (Vgl. Wolf 1998)

 

Gemessen an der damaligen Schulpraxis mit der fast ausschließlichen Dominanz des Frontalunterrichts (in dem Schüler/innen bekanntlich wenig zu Wort kommen), war das Konzept der mündigen Schüler/innen allerdings noch so ungewöhnlich, dass es als „allgemeines Unterrichtsprinzip“ auf alle Fächer verteilt wurde – und damit weitgehend wirkungslos blieb. Immerhin gab der Grundsatzerlass Anstoß zur Einrichtung des IFF-Universitätslehrgangs „Politische Bildung für Lehrer/innen“, der nunmehr schon im dritten Jahrzehnt für die Verbreitung von sozialwissenschaftlichen Modellen sorgt. (Vgl. Klepp/Rippitsch 2008)

 

fdz ©  Alois Ecker, Klaus Edel, Hanna-Maria Suschnig

 

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