GD seit den 1970er Jahren

Die Tradition kritisch hinterfragen

 

Die Konstituierung der Geschichtsdidaktik als Wissenschaft

Im Zuge der Diskussionen um die Neukonzeption von Lehr- und Studienplänen in den 1960er und 1970er Jahren, der sog. "curricularen Wende", hat sich die Geschichtsdidaktik als eigenständige Wissenschaft konstituierte.

"In den 60er und 70er Jahren. als die traditionellen Bildungsansprüche des fachlich produzierten historischen Wissens verbraucht waren und in der bis dahin üblichen Weise des Geschichtsunterrichts als gänzlich unzulänglich dafür angesehen wurden, junge Menschen zu verantwortungsvollen Staatsbürgern politisch zu erziehen. In dieser Situation einer generellen Unsicherheit über Formen, Inhalte und Ziele des Lehrens und Lernens von Geschichte konstituierte sich die Geschichtsdidaktik neu als ein akademischer Ort, wo die Legitimitätskrise der historischen Bildung bewältigt und die für einen zeitgemäßen Umgang mit der Geschichte im schulischen Bildungssystem erforderlichen Gesichtspunkte reflektiert und entwickelt werden sollten." (Rüsen, 1991, S. 14).

Die neuere Geschichtsdidaktik ist in Deutschland Ende der 1960er Jahre mit dem Ziel entstanden, eine kritische, historisch orientierte politische Bildung zu entfalten. Dabei hat sie sich, wie Rohlfes bemerkt, zunehmend aus dem Klientelverhältnis zur Geschichtswissenschaft herausbewegt und ein eigenständiges Forschungsparadigma aufgebaut.

Der erste Forschungsschwerpunkt blieb auch nach der curricularen Wende die Beschäftigung mit dem Geschichtsunterricht in den Sekundarschulen. Bei aller Differenzierung der Interessensgebiete blieb der gemeinsame Anspruch der nachfaschistischen Geschichtsdidaktik, als eine methoden- und theoriegeleitete Wissenschaft zu einer Reflexion über die Vergangenheit beizutragen, welche sich von einer naiven herrschaftslegitimierenden Funktion distanzierte und zu einer (gesellschafts-) kritischen Haltung beitragen wollte: Programmatisch wurde dies im Vorwort des Handbuchs der Geschichtsdidaktik (1979) formuliert.


Knapp zwanzig Jahre später hat die junge Wissenschaft schon den engeren Bereich des Geschichtsunterrichts in der Schule verlassen. In der fünften Auflage des Handbuchs der Geschichtsdidaktik (1997) betonen die Herausgeber die Reflexion der außerschulischen Produktionen von Geschichtsbewusstsein (Medien, Museen, Internet) als notwendiges Desiderat geschichtsdidaktischer Forschung.


Startseite :: Ebene Hoch :: ? Vorherige Seite :: N䣨ste Seite ? :

Symbole
markiert den Inhalt einer Lerneinheit.
markiert die Dauer einer Lerneinheit.
markiert referenzielle Begriffe am Beginn einer Lerneinheit.
markiert Definitionen.
markiert Leitfragen.
markiert ein Beispiel.
markiert eine ܢung.

Farbig markierte Worte verweisen auf eine zugeordnete Begriffserkl䲵ng.