Geschichte der Geschichtsdidaktik

21. Jahrhundert

Universität Wien

Geschichtsdidaktik zu Beginn des 21. Jahrhunderts - Die Konzeption der Wiener Geschichtsdidaktik übernahm seit der curricularen Wende mehr und mehr eine gesellschaftskritische Position: sie bemühte und bemüht sich, ein Reflexionsangebot bereitzustellen, mit dem die augenblicklichen gesellschaftlichen Probleme unter dem Aspekt ihres Gewordenseins und ihrer Veränderbarkeit überdacht werden können. Für die Arbeit in der Gruppe der Wiener FachdidaktikerInnen wird Geschichtsdidaktik im Sinne eines politisch bildenden, kritisch-kommunikativen Bildungsauftrages als jene Wissenschaft verstanden, die das in Bezug zur gegenwärtigen Situation relevante Wissen über die Vergangenheit (eines bestimmten Problemfeldes, einer Region, einer sozialen Organisation, eines politischen Systems, einer Kultur) zu erheben trachtet und dieses "historische Wissen" (in Hinblick auf eine projektierte Zukunft) so zu vermitteln versucht, daß es für die heranwachsenden Generation als soziale Kompetenz gestaltbar wird. Wir verstehen Geschichtsdidaktik damit als eine angewandte Historische Kultur- und Sozialwissenschaft. In Hinblick auf den Geschichtsunterricht in den Schulen lauten ihre zentralen Fragestellungen:

  • Welcher Umgang mit der Vergangenheit erscheint uns im Geschichtsunterricht angesichts der aktuellen gesellschaftlichen Entwicklung für die heranwachsende Generation notwendig und nützlich?
  • Welche (historischen) Methoden sind geeignet, vergangene kulturelle, gesellschaftliche, wirtschaftliche und politische Situationen bzw. deren Entwicklungen zu rekonstruieren? - und:
  • Welche Informationen sind notwendig, um ein für die aktuelle gesellschaftliche Entwicklung relevantes Geschichtsverständnis zu konstruieren?

Dies sind jene Grundfragen der Geschichtsdidaktik, die es im jeweils konkreten gesellschaftlichen Anwendungsbereich zu klären gilt. Es macht einen Unterschied, ob über die Entwicklung von historischen Erkenntnissen in der Volksschule, in der Unterstufe einer Hauptschule, der 5. Klasse einer HTL für Maschinenbau, über ein fachdidaktisches Seminar an der Universität, oder über ein fünftägiges Erwachsenenbildungsseminar für LehrerInnen nachgedacht wird.

Mit diesen Grundfragen sind wir bei einem zentralen Problem der geschichtsdidaktischen Arbeit gelandet: Der Frage nach dem jeweils adäquaten Theorie - Praxis - Verhältnis in der geschichtsdidaktischen Reflexion. Die Fachdidaktik Geschichte an der Universität Wien hat dazu ein komplexes (Ausbildungs-) Modell entwickelt, das in der geschichtsdidaktischen Literatur als "Prozessorientierte Geschichtsdidaktik" diskutiert wird. Dieses Konzept wird in der Lerneinheit Theorie der Geschichtsdidaktik sowie im Submodul Unterrichtsplanung näher vorgestellt.


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