Aufbau der Reportage

  • Wo sind die Fakten?


    An Fakten berichtet der Reporter nur wenig: das Datum ("10. November"), den Ort des Geschehens ("Josephstädter Judentempel") und den Ort der Reportage ("in der Tempelgasse"). Mit den Ereignissen hält er sich nur kurz auf ("in wenigen Minuten ein Raub der Flammen", "Gerüst ist schon so baufällig", "der letzte Feuerschein bereits gelöscht").


    Die Personen am Schauplatz werden eingeführt ("bei uns sind die Männer der Feuerwehr, die Männer der SA und der Kreisleitung", "bei uns ist der Tempeldiener [...] ein Arier", "Männer der SA, die hier ihren Absperrdienst vollbringen", "die Wiener Bevölkerung [...] steht jetzt auf der Straße", "Leute stehen nicht mehr auf der Straße", "Leute, die mit dem Aufräumen beginnen").

  • Wer wird einbezogen?
    AugenzeugInnen bzw. PassantInnen werden in die Reportage einbezogen. Sie berichten über das Ereignis und der Reporter greift ihre Aussagen auf, um Klischees zu transportiere. Es ist möglich, dass die AugenzeugInnen gar nicht echt waren, sondern ihre Rollen und Aussagen vorher abgesprochen waren. Da das ganze Pogrom vorbereitet war, ist es naheliegend, dass auch die Berichterstattung bis ins kleinste Detail geplant und inszeniert war. Vom ersten Interviewpartner erfahren die HörerInnen, dass er "Portier" war und zwar "14 Jahr’" lang. Dass er endlich "von hier los komme" legt ihm der Reporter in den Mund.


    Der zweite Mann berichtet, dass der Platz geräumt worden sei und "Einsturzgefahr im Tempel" bestehe. Dass er gegen den Einsturz des Tempels nichts einzuwenden hat, suggeriert der Reporter.
    Der dritte Mann berichtet, dass das Feuer gelöscht sei, dass im Tempel keine ihm wertvoll erscheinenden Gegenstände mehr seien (Nahrungsmittel) und dass zur Rettung der Synagoge keine Anstalten gemacht worden wären. Dass sich "die Juden rechtzeitig aus dem Staub gemacht" hätten, spricht ihm der Reporter vor.
  • Darstellungsform

    Der Reporter berichtet in der "Wir"-Form und verallgemeinert die "Wiener Bevölkerung". Dadurch entsteht Distanz zwischen "Wir" (Arier) und "den Juden", die aus dieser Gemeinschaft ausgenommen sind.


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