Die Maifeiern der SPÖ

 

 

Anhand der für Didactics online ausgewählten Wochenschau- und Fernsehberichte lässt sich eine Entwicklung der Kultur der Sozialdemokratischen Partei bei den Feiern zum ersten Mai ablesen.

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Eine Entwicklung betrifft den Ort der Veranstaltung

 

1912

In dem ersten verfügbaren Filmdokument von 1912 marschieren Männer, Frauen und Kinder durch die Straßen Wiens, um für ihre Rechte zu demonstrieren.

1912

Beim Aufmarsch werden rote Fahnen mitgetragen. Auf Stangen hält man Tafeln mit den Parolen hoch. Teilweise sind diese mit Reisig geschmückt.

1927

Ein Brauch, der bis in die Zwanziger Jahre (z.B.1927) zu sehen ist.

1922

1919 erklärte der Nationalrat den 1. Mai zum Staatsfeiertag und zum Ruhe- und Festtag und der Aufmarsch der Sozialdemokraten wird seit dieser Zeit über den Ring geführt. Die führenden Funktionäre stehen vor der Rampe des Parlaments (Ausschnitt 1922).

1927

1927 hat sich der Maiaufmarsch bereits wesentlich verändert und es finden sich bereits viele Elemente, die bis heute das Gesicht der SPÖ - Maifeiern prägen. Das Rathaus und der Rathausplatz beginnen für die Kundgebung eine Rolle zu spielen. Das große Transparent, das am Rathaus angebracht war, unterstreicht die Rolle der Sozialdemokratie als Gegenpol zur bürgerlichen Regierung. Vor dem Rathaus marschieren Einheiten des Republikanischen Schutzbundes, die nach dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr reaktiviert werden.

1930

1930 stehen die Mitglieder der Parteiführung vor dem Rathaus, um die vorbeiziehenden Mitglieder zu grüßen.

1946

In dem Wochenschaubericht von 1946 erkennt man, dass die SPÖ an die Vorkriegstradition anschließt. Der fahnengeschmückte Rathausplatz ist wieder Ziel und Höhepunkt des Aufmarsches.

1946

Neu ist bei dieser Maikundgebung, dass die Ehrengäste der Partei jetzt auf einer Tribüne vor dem Rathaus stehen. Im Bild sind Theodor Körner und der ehemalige Bürgermeister von Wien Karl Seitz zu erkennen. Neu ist auch das 1932 als Kampfabzeichen der Partei angenommene Symbol der drei Pfeile mit dem Kreis, das die Ehrentribüne schmückt aber auch auf den Fahnen neben Rot-Weiß-Rot und Rot-Weiß (Wien) zu sehen ist.

 

Eine deutliche Entwicklung ist in der Form des Grüßens der vorbeiziehenden Menge durch die führenden Funktionäre ablesbar:

 

1922

1922 marschieren die Sozialdemokraten auf dem Ring. Vor dem Parlament grüßen Mitglieder der Parteiführung die Vorbeiziehenden durch Schwenken des Hutes.

1930

1930 stehen die Mitglieder der Parteiführung nun vor dem Rathaus. Sie grüßen die Vorbeiziehenden aber nicht mehr durch Hüteschwenken sondern winken mit weißen Tüchern.

1950

Ebenso sind 1950 einzelne Parteiführer mit weißem Tuch zu sehen.

1962

1962 grüßen die Ehrengäste auf der Tribüne die Vorbeiziehenden nicht mehr mit weißen Tüchern sondern sie schwenken Fähnchen der Arbeiterzeitung. Nur Vizekanzler Bruno Pittermann oder in der zweiten Reihe Heinz Nittel benutzen ein rotes Tuch.

1965

1965 hat sich das Schwenken roter Tücher bereits durchgesetzt.

1974

1974 winkten die meisten Funktionäre mit rot-weiß-roten Tüchern, einzelne (z.B. Anton Benya ) aber roten Tüchern mit den drei Pfeilen im Kreis

1991

1991 schwenken die Ehrengäste auf der Tribüne überdimensionierte rote Nelken.

1996

1996 kehrt man wieder zu den roten Tüchern zurück.

2000

Auch im Jahr 2000 sind sie zu erkennen.

 

Auch die Kleidung der DemonstrantInnen und Mitglieder der Parteiführung verändert sich.

 

1912

1912 tragen sowohl Männer wie Frauen Hüte und sind feierlich gekleidet.

1922

1922 marschieren noch immer die meisten Männer mit dem Ausgehanzug bzw. Mantel und Hut.

1927

1927 tritt neben der Zivilkleidung die Uniform, Berufskleidung in das Blickfeld. Im Bild sind die Mitglieder des Republikanischen Schutzbundes zu sehen.

1927

Die verschiedenen Sektionen der Sozialdemokraten treten nun expliziter in Uniformen auf. Im Bild die Radfahrer des ARBÖ. Die Räder werden mit Kreppgirlanden geschmückt.

1930

1930 sind wieder die Mitglieder des ARBÖ zu sehen und [...]

1930

[...] auch die Sportler des ASKÖ zeigen sich in Sportdressen.

1930

Ebenso gehören nun Abordnungen der Straßenbahner, Eisenbahner und Bediensteter der Post bis heute zum fixen Bestandteil, wie beispielsweise die gezeigte Blasmusikkapelle.

1996

1996 marschiert sogar eine Trachtenkapelle mit.

1930

Nicht mehr alle Männer tragen 1930 Hüte, zum Teil haben sie die für die Arbeiter typischen Mützen auf, zum Teil sind sie ohne Kopfbedeckung. Auch bei den Frauen haben nicht mehr alle eine Kopfbedeckung aufgesetzt. Die Wirtschaftskrise spiegelt sich auch in der Bekleidung.

1950

Nach dem zweiten Weltkrieg unterscheidet sich aufgrund des Mangels und der schlechten finanziellen Lage die Kleidung nicht wesentlich.

1996

Erst ab den 80-er Jahren ändert sich der Stil, indem mehr Freizeitkleidung getragen wird und auch einige Funktionäre ihre Krawatten abgelegt haben. [...]

1996

[...] Im Bild: Caspar Einem .

 

Die Bundespräsidentenwahl:

Bis zum Tod von Karl Renner findet in Österreich trotz der Verfassungsreform von 1929 keine Volkswahl des Bundespräsidenten statt. Erst sein Nachfolger Theodor Körner wird auf diese Weise gewählt.

 

1957

1957 gibt es erstmals eine Verknüpfung der Maifeier mit der Werbung für den Bundespräsidentenwahlkampf. Adolf Schärf , der Kandidat der SPÖ, steht im Mittelpunkt der Maifeier. Diese Praxis der Verbindung von Wahlkampf und Maifeier wird in den nächsten Jahrzehnten beibehalten.

1965

1965 gilt die Werbung Franz Jonas .

1986

1986 steht der 1. Mai im Zeichen von Kurt Steyrer .

 

Eine Entwicklung lässt sich auch in der Vermittlung der Botschaften zum 1. Mai feststellen

 

 

1927

Eine Entwicklung lässt sich auch in der Vermittlung der Botschaften zum 1. Mai feststellen. 1927 wird die Bedeutung des von den Sozialdemokraten regierten Wiens für die Arbeiterschaft hervorgestrichen. Das Plakat ist an der Fassade des Rathauses angebracht.

1930

1930 werden bereits größere Transparente, die von zwei Leuten auf Stangen getragen wurden mitgeführt. Die Tafeln mit den Parolen werden größer und damit sowohl für die TeilnehmerInnen wie ZuseherInnen besser lesbar. Die Parolen spiegeln die aktuellen Themen wider. Die Losung „Wir lassen uns nicht beugen“ spielt auf die politische Auseinandersetzung mit der christlichsozialen Regierung an.

1930

Andere Forderungen, die teilweise nur auf einfachen Plakaten stehen sind „Raus aus der Kirche“ oder „Weg mit dem § 144“.

1946

Nach dem Zweiten Weltkrieg wird 1946 auf einem riesigen Transparent einerseits die Befreiung Österreichs artikuliert, aber auch die Hoffnung auf das Ende der Besetzung Österreichs artikuliert.

1950

Auch 1950 ist dies ein wichtiges Thema. Die Transparente müssen von vier Leuten hochgehalten werden.

1950

Neu ist, dass größere Transparente oder plastische Ornamente (Drei Pfeile im Kreis) verwendet werden, die zum Transport ein Gestell, das auf mindestens zwei Fahrrädern ruht, benötigen.

1950

Ebenso verwendet man nun LKWs als Werbeträger, die mit Aufschriften (60 Jahre 1. Mai) geschmückt sind und über Lautsprecher Musik und die Ansprachen übertragen können.

1957

Nach dem Ende der Besatzungszeit kommt 1957 mit der Neutralität ein neues Thema auf den Transparenten vor.

1991

1991 lautet das Motto Frieden in der Welt und vor dem Transparent werden Tauben als Symbol des Friedens ausgesandt.

1996

1996 marschierte auch eine kurdische Gruppe mit Transparenten und Fahnen mit.

1996

Ein Trend geht auch dahin vor der Fassade des Rathauses die Tribüne bühnenartig zu gestalten und die Botschaft auf diesem Aufbau anzubringen. Als Beispiel dient der Aufbau von 1996.

 


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