Aufklärung bis curriculare Wende

Beispiel: Empfehlungen für Geschichtslehrer

 

Geschichtsunterricht als unkritische Vermittlung historistischer Konzepte

Textquelle: Auszug aus einem "Hilfsbuch für Lehrer der Geschichte an Höheren Schulen". Erstveröffentlichung 1867

den vaterländischen Sinn wecken

"Fragt man nun unsere didaktisch-pädagogische Litteratur nach Ziel und Zweck des geschichtlichen Unterrichts, so wird man viel von Weckung des vaterländischen. des religiösen, des christlichen Sinnes zu lesen bekommen, man wird von Bildung des Verstandes und Herzens, von Begeisterung für das Gute, Wahre und Schöne lesen. Ganz gut, diese trefflichen Wirkungen werden eintreten, je mehr der Lehrer von jenen Eigenschaften besitzt und je weniger er jene Wirkungen durch didaktische Künste hervorzurufen die Absicht zeigt. Ebenso wird man in Instruktionen viel von der lebendigen, warmen, anschaulichen, zugleich aber einfachen und natürlichen Darstellung zu lesen bekommen, wie denn die berühmte westfälische vom 22. Sept. 1859 einen solchen idealen Geschichtslehrer instruiert oder konstruiert, der außer jener Lebendigkeit, Wärme, Einfachheit "Ohne irgend welche Benutzung eines Hilfsmittels während der Lehrstunde" unterrichtet: "er wird" - soweit thunlich, setzt sie hinzu - "den Inhalt und auch den Ausdruck den Quellen selbst entnehmen". Wo diese Lehrer sind, wo sie auf den Bäumen wachsen, ja wo auch nur die Bücher sind, welche jene trefflichen Eigenschaften alle: Einfachheit, Lebendigkeit, Wärme, geschickte Verwendung der Quellen, Anschaulichkeit vereinigen, ist uns unbekannt. "Vor allem habe Geist", rät Fr. A. Wolf seinem jungen Philologen: ein vortrefflicher Rat, wer ihn nur gleich zu befolgen wüßte.

Nehmen wir uns, wie wir wirklich sind - so Gott will, leidlich verständige Menschen, die etwas gelernt haben und die darnach streben, ihre Sache so gut als möglich zu machen, und versuchen wir aus den Allgemeinheiten herauszukommen. Welches sind die Zwecke und Zielpunkte, die den Geschichtsunterricht, die 2 - 3 wöchentlichen Geschichtsstunden auf dem Gymnasium, als einer für das wissenschaftliche Studium im strengsten Sinn vorbereitenden Anstalt, von Quarta aufwärts bestimmen sollen?

Es sind, denken wir, zwei:
1. Mitteilung und Einprägung eines gewissen Quantums von historischem Wissen;
2. Entwicklung der Fähigkeit, mit diesem Wissen zu operieren.

Dies - Mitteilung historischen Stoffes und Entwicklung der Fähigkeit mit demselben zu operieren, und zwar in elementarer, nicht in geschichtsphilosophischer Weise zu operieren - dies und nichts anderes scheint uns die spezifische Aufgabe des historischen Unterrichts auf den Gymnasien und analogen Anstalten zu sein. Den vaterländischen Sinn zu entwickeln u.s.w., ist eine Aufgabe, die ihm, so weit er sie hat, zum mindesten mit anderem Unterricht gemein ist."

Quelle: Jäger, Oskar (1892) Bemerkungen über den geschichtlichen Unterricht. Beigabe zu dem "Hilfsbuch für den ersten Unterricht in alter Geschichte". Für Lehrer der Geschichte an höheren Schulen. Dritte Auflage, Wiesbaden: Vlg. C.G. Kunzes Nfg., S. 7-8.


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