Tag der Arbeit 1934 (2)

Kontext: 1. Mai 1934 (2)

Ausgerechnet am 1. Mai wird von Dollfuß die neue ständische Verfassung verlesen und der Tag der Arbeit zum „Verfassungsfeiertag“ erklärt. Während die Anhänger der mittlerweile verbotenen sozialdemokratischen Partei heimlich eine Maifeier im Wienerwald abhalten, wird im Stadion mit großem Aufgebot ein „Weihfestspiel für Kinder“ inszeniert. Zunächst spricht Bürgermeister und Vizekanzler a. D. Richard Schmitz zu den Kindern.

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Blau-weiß gekleidete Herolde marschieren - begleitet von Fanfarenstößen der Bläser über das Feld, gefolgt vom Chronisten in Gelehrtentracht. Neben ihm 8 Diener, die das Buch der Geschichte tragen. Der Chronist symbolisiert das Geschichtsbewusstsein Österreichs und das Festhalten an Traditionen. Zum anderen ist er Symbol für eine neue Zeit, heißt es in der Neuen Freien Presse. Die Arbeiterzeitung bezeichnet diesen Umzug als einen Hohn auf die Ideale des 1. Mai als „Gschnasfestzug“ und „kitschige Kopie des Mittelalters“. Im Anschluss an Beethovens „Die Ehre Gottes“ betritt eine Tanzgruppe die Stadionbühne. In Biedermeierkostümen tanzen sie ein Menuett aus Mozarts „Don Juan“. Während des Tanzes erscheinen von den verschiedenen Toren her Biedermeiergruppen, die auf dem Rasen herum spazieren.

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50.000 Kinder bejubeln mit Fähnchen bestückt die Darbietungen. Wie echt dieser Jubel allerdings wirklich ist, ist nicht klar zu sagen, denn ihre Anwesenheit ist nicht unbedingt freiwillig. Ursprünglich haben die Schulleitungen zwar freigestellt, ob die Kinder die Veranstaltung besuchen oder nicht. Doch als die meisten vor allem aus den Arbeiterbezirken meldeten, dass ihre Eltern die Teilnahme verboten haben, wurde diese von der Schulleitung als verbindlich angeordnet und vorgeschrieben, wie viele Schulkinder aus jeder Klasse zu kommen haben. (Nach dem Abzug der historischen Gruppen nehmen Männer in Tracht am Platz Aufstellung. Begleitet von der Musikkapelle marschiert nun die Ehrenkompanie des Infanterieregiments Nr. 5 an der Ehrentribüne vorbei.) Stellvertretend für die 50.000 Schüler und Schülerinnen wurden je ein Bub und ein Mädchen ausgewählt, zu den Kindern zu sprechen:

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Dann betritt Bundeskanzler Dollfuß das Rednerpult.

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Zum Abschluss wird die Bundeshymne mit dem Text von Ottokar Kernstock gesungen. OTon: „Vaterland, wie bist du herrlich, Gott mit dir, mein Österreich!“ Dollfuß schließt seine Rede mit den Worten: O-TON: „Heil Österreich“


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