Kontext: 1. Mai 1934 (3)

Unter dem Motto „Alt-Wien“ wird am 1. Mai 1934 ein „Huldigungszug der Stände“ inszeniert, als Symbol für „die Grundsteinlegung des neuen Staates“, wie es in der Neuen Freien Presse heißt. Einen Tag zuvor hat das Parlament zum ersten Mal ohne SozialdemokratInnen getagt. Eine neue, ständische Verfassung wurde beschlossen. Nicht mehr Parteien geben nun den Interessen des Volkes Ausdruck, sondern Berufsstände, wobei alle Gremien nur in beratender Funktion tätig sein dürfen. Auf Blumen geschmückten Zunftwägen und begleitet von der Kapelle des Deutschmeister Infantrieregiments ziehen die VertreterInnen in historischen Kostümen über den Ring am Rathaus vorbei, wo Bundeskanzler Dollfuss, Bundespräsident Miklas und Bürgermeister Schmitz von einer Ehrentribüne aus die Huldigungen entgegen nehmen. Laut Arbeiterzeitung ist die Teilnahme an diesem Umzug erzwungen worden. Wenn sich die ArbeiterInnen in den Betrieben nicht auf die TeilnehmerInnenliste eintragen wollten, wurde ihnen mit der Entlassung gedroht. „Es ist aus dem Tag des Triumphes des Proletariats der Tag des Triumphes über das Proletariat geworden“, schreibt die Arbeiterzeitung, die mittlerweile ein Mal wöchentlich in Brünn erscheint und illegal über die Grenze nach Österreich gebracht wird. Und weiters heißt es dort: „Sie sind die Sieger. Und wir sind besiegt.“

Quellen:
AZ, 1. Jg., Nr. 9, 22.4.1934, S. 1f.
AZ, 1. Jg., Nr. 10, 30.4.1934, S. 1f.
Neue Freie Presse, Nr. 25012, 2.5.1934, S. 4.


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