GD seit den 1970er Jahren

Beispiel: Handbuch GD (1979)

 

Quellen aus der Konsolidierungsphase der Geschichtsdidaktik als Wissenschaft

Textquelle 2: Geschichtsdidaktik als Wissenschaft vom Geschichtsbewusstsein

"Seit sich die Geschichtsdidaktik nicht mehr als bloße Methodenlehre für den Schulunterricht im Fach Geschichte versteht, sondern als eine Disziplin, die sich der Frage nach der Gestalt, der Entstehung und der Funktion historischen Bewusstseins in der Gesellschaft verschrieben hat, ist die Orientierung in diesem Fachgebiet schwierig, aber auch dringlich geworden. In den letzten fünfzehn Jahren hat die Geschichtsdidaktik ihr Erkenntnisinteresse und ihre Erkenntnisweisen unter Aufnahme von Ergebnissen und Methoden vielfältiger Bezugswissenschaften wesentlich ausgeweitet. Von besonderer Bedeutung war dabei einerseits der Wandel im Selbstverständnis der Geschichtswissenschaft, die sich als ,historische Sozialwissenschaft' neu definierte, andererseits die curriculare Orientierung der Erziehungswissenschaft, die den Aufbau historischen Bewußtseins in intentionalen Erziehungs- und Bildungsprozessen neuen Rationalitätsstandards unterwarf. Die Entwicklung der Geschichtsdidaktik von einer stofforientierten Kunstlehre, die der unterrichtlichen Anwendung unbefragter geschichtswissenschaftlicher Ergebnisse diente, zu einer theoriegeleiteten, methodenregulierten Wissenschaft, die ihre praktischen Absichten in einem rationalen Diskurs theoretisch abzuleiten und empirisch zu begründen sucht, ist heute, nach mehr als zehnjähriger Diskussion, weder abgeschlossen noch in allen Aspekten unumstritten. Trotz allen Kontroversen weist die fachdidaktische Diskussion jedoch einen Konsens darüber aus, daß Geschichte und die Beschäftigung mit ihr in einen engeren und bewußteren Verwendungszusammenhang gesellschaftlicher und individueller Praxis hineingedacht werden muß. Der damit [mit dem Anspruch nach einer theoriegeleiteten Praxis als Wissenschaft, AE] angedeutete Frageansatz der Geschichtsdidaktik bringt Konsequenzen mit sich, die geeignet sind, die Praxis des Lehrens und Lernens von Geschichte sehr weitgehenden Veränderungen auszusetzen. Wenn auch die Probleme der Umsetzung der fachdidaktischen Reflexionen in den Geschichtsunterricht von der Geschichtsdidaktik in vielen Aspekten noch kaum erkannt, geschweige denn gelöst worden sind, scheint es doch an der Zeit, den erreichten Reflexions- und Diskussionsstand den lehrenden Praktikern und einer breiteren Öffentlichkeit in einer Weise zugänglich zu machen, die sich dem Bedürfnis nach rascher Orientierung nicht verwehrt."

Quelle: Bergmann, Klaus, Kuhn, Annette, Rüsen, Jörn, Schneider, Gerhard (Hrsg.) (1979) Handbuch der Geschichtsdidaktik, Band 1, Düsseldorf, Schwann, S. XXVII.


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